Dachhimmel neu beziehen im Citroen CX Serie 1
| Modell | CX | Art der Freigabe | |||||
| Autor | Stephan Gürtler | Freigegeben durch | Stephan Gürtler am 1.11.04 - 15:51 Uhr | ||||
| Stand | 8.12.09 - 10:06 Uhr | Bisherige Aufrufe | 1651 | ||||
| Schwierigkeitsgrad | mittel | Dokumentenart | Reparaturanleitung |
Text
Dachhimmel neu beziehen im Citroen CX Serie 1
Das Problem:
So ziemlich jeder Eigentümer eines CX ohne Schiebedach kennt das Problem. Irgendwann löst sich der Stoff vom Dachhimmel und hängt herunter. Häufig sind auch noch die ebenfalls mit Stoff bezogenen Kunststoffverkleidungen der A, B und C-Säulen sowie die beiden Einfassungsverkleidungen rechts und links von Dachhimmel betroffen. Der Grund hierfür liegt in der ursprünglich am Stoff anliegenden, wenig alterungsbeständigen Schaumstoffträgerschicht, die sich mit den Jahren einfach auflöst und zerbröselt. Der Stoff hat dann keinen Halt mehr und hängt durch.
Bild: Der gelöste Stoff rund um das Bedienpanel für die Innenleuchten
Bild: Die Säulenverkleidungen sind auch häufig betroffen, hier ein Bild der C-Säulenverkleidung mit den zerbröselten Schaumgummiresten
Wer das Problem vernünftig und einigermaßen professionell lösen will, kommt um den Neubezug des gesamten Dachhimmels sowie der Säulenverkleidungen leider nicht herum.
Es macht in meinen Augen auch keinen Sinn zu versuchen, den alten Originalstoff wieder festzukleben. Zum einen besteht die Gefahr, dass der Kleber während der Verarbeitung „durchsifft“. Zum anderen würde man ohne die ausgleichende Schaumstoffschicht jede Unebenheit des Dachhimmel-Pressstoffteils sehen, das Ergebnis wäre wahrscheinlich wenig überzeugend.
Im Folgenden beschreibe ich den Bezug des Dachhimmels einschließlich der Säulenverkleidungen einer CX GTI Limousine Bj. 81. Die Arbeitsbeschreibung dürfte sich aber auch analog auf Break- und Prestige-Modelle übertragen lassen. Zur Serie 2 kann ich nichts sagen, im Grunde müsste es aber ähnlich sein. CX Modelle mit Schiebedach sollen von der ganzen Problematik nicht so sehr betroffen sein.
Der Ausbau des Dachhimmels
Zunächst einmal werden sämtliche Sonnenblenden, Innenraumleuchten sowie die Bedieneinheit am Dachhimmel entfernt. Es folgen die Säulenverkleidungen, also die der A, B und C-Säule sowie die zwei oberen Einfassungen des Dachhimmels. Das sollte eigentlich für jeden Hobbyschrauber kein Problem sein, deswegen spare ich mir die Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte im Detail. Große Vorsicht ist allerdings geboten beim Abhebeln der Befestigungsstifte aus den korrespondierenden Bohrlöchern in der Karosserie. Wer hier die Verkleidungsteile großflächig mit Gewalt runterreißt, zerstört garantiert die fragilen Halterungen, in denen die Befestigungsstifte sitzen. Ich verwende hierfür das „Türverkleidungslösewerkzeug“, das es u.a. bei Meisen für weniger als 5,- Euro gibt. Dabei hebe ich das zu lösende Verkleidungsteil vorsichtig an und hebele mit dem Werkzeug nacheinander jeden Befestigungsstift ab. Es geht sicherlich auch anders, aber so hat es sich bei mir am besten bewährt.
Bild: Mit einem solchen Werkzeug bleiben die Halterungen der Seitenverkleidungen intakt.
Nach dem Lösen aller Säulenverkleidungsteile werden oben in der Aussparung für die Beleuchtungseinheit noch zwei Schrauben gelöst, dann kann man den Dachhimmel auch schon abnehmen und durch eine hintere Tür vorsichtig nach draußen befördern.
Reinigen der Teile
Jetzt wird es mühsam, denn bei allen neu zu beziehenden Teilen müssen erst einmal der alte Stoff (geht sehr schnell) sowie die Schaumstoffreste (ist eher mühselig) entfernt werden. Den Stoff kann man meistens einfach abziehen. Die alten Stoffreste sollte man selbstverständlich als Schnittmuster für den neuen Stoff aufbewahren. Die Schaumstoffreste auf den Kunststoff-Seitenverkleidungen kann man mit einem Spachtelschaber entfernen. Die letzten verbleibenden Reste entferne ich mit einer einfachen Drahtbürste und reinige das Ganze zum Schluß dann mit Isopropanol.
Bild: Ein Verkleidungsteil der C-Säule nach dem Entfernen von Stoff und Schaumstoff
Direkt auf dem Dachhimmel klebt eine Netzschicht, auf die der Schaumstoff damals aufgebracht war. Diese ließ sich bei mir innerhalb von 5 Minuten sehr einfach großflächig abziehen, andere haben aber schon sehr viel mehr Zeit damit verbracht. Nach dem Entfernen der Stoffreste sieht der Dachhimmel dann so aus:
Der Neubezug
Wenn alle zu beziehenden Teile vom alten Stoff befreit und gesäubert sind, kann endlich mit dem Neubezug begonnen werden. Man sollte auf gar keinen Fall „irgendeinen“ Stoff nehmen, sondern auf eine Qualität zurückgreifen, die speziell für diesen Einsatzzweck geeignet ist bzgl. UV-Stabilität, Alterungsbeständigkeit etc..
Für die Stoffauswahl gibt es mehrere Bezugsadressen. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit der Firma Büsing gemacht (www.auto-buesing.de), die sich im Bereich CX bestens auskennt. Wer die ganze Arbeit nicht selber machen möchte, kann seinen CX-Dachhimmel dort auch komplett beziehen lassen. Der Inhaber Andreas Büsing veranschlagt für einen CX-Dachhimmel einschließlich der Säulenverkleidungen c.a. 3,50 Meter Stoff. Dazu benötigt werden 2 Dosen Kontaktkleber sowie 1 Dose passender Verdünnung (Inhalt jeweils 650 Gramm). Wer sicher gehen will, bestellt für die normal-lange Limousine 3,60 Meter Stoff. Das ist normalerweise genug, um 2 Dachhimmel einschließlich Verkleidungsteile zu beziehen (Ich selber habe auch einen 2. Versuch gebraucht, bevor ich mit dem Ergebnis zufrieden war). Je nach Stoff fallen nach meiner Erfahrung hierbei Kosten zwischen 200-250 Euro einschließlich Versand und Kleber/Verdünner an.
Bild: Der blaue Stoff meiner CX-Innenausstattung ist im Originalton leider nicht mehr zu bekommen. Daher musste ich gewisse Farbabweichungen in Kauf nehmen.
Bild: Die richtigen Kleber und Verdünner sind das A und O bei der Verarbeitung. Wer hier auf Universalprodukte zurückgreift, bereut dies sehr schnell
Um erste Übung zu bekommen, beginnt man sinnvoller Weise mit den kleinsten Säulenverkleidungen. Die alten Stoffreste dienen als Schnittmuster für das Zurechtschneiden des neuen Bezugstoffes. Eine stabile, scharfe Schere erleichtert den Zuschnitt.
Bild: Die Verkleidung der B-Säule. Rechts das Kunststoff-Formteil, in der Mitte der alte Stoff als Vorlage, links der bereits zugeschnittene neue Stoff
Der Kontaktkleber wird im separaten, verschließbaren Behälter im Verhältnis 2:1 verdünnt.
Ab jetzt sind penible Sauberkeit und vor allem saubere Hände angesagt, damit weder Schmutz (meistens nicht sooo kritisch) noch Klebemasse (was schlimmer ist) auf die vordere Stoffoberfläche gelangen.
Mit einem passenden Pinsel werden sowohl das Kunststoff-Formteil als auch die Rückseite des neuen Stoffes zügig mit Klebemasse bestrichen. Beim Stoff bitte sparsam auftragen, sonst tritt der Kleber durch und es gibt hässliche Flecken auf der Vorderseite. Je nach Außentemperatur benötigt der Kleber zwischen 5 und 8 Minuten zum Ablüften. Nach der Ablüftzeit muß sich die Oberfläche der Klebeschicht einigermaßen trocken anfühlen. Erst jetzt wird der Stoff vorsichtig auf das Formteil aufgebracht, flächig mit den sauberen Händen angedrückt und um die Kanten gelegt. Wenn die Ablüftzeit eingehalten wurde, haftet der Stoff sofort problemlos an. In dieser Weise wird mit allen anderen Teilen der Seitenverkleidung gleichermaßen verfahren.
Bild: Die neu bezogenen Seitenverkleidungen warten auf den Einbau
Die größte Herausforderung steht aber noch bevor: Der eigentliche Dachhimmel. Vom Grundsatz her verläuft hier zwar alles genauso wie bei den Seitenverkleidungen. Aufgrund der großen Fläche geht man hier aber in 3-4 Etappen (mit einem Flächenpinsel) vor. Bis zu den Sonnenblenden ist das auch noch alles sehr simpel.
Bild: Ab hier wird es für den Anfänger schwer.
Die Vertiefungen der Sonnenblenden sind ein Kapitel für sich. Der Stoff muss sich diesen Vertiefungen anpassen und damit ist hier die Gefahr groß, dass man entweder Falten im Stoff produziert, oder der Stoff aufgrund der Eigenelastizität nicht ausreichend in den Vertiefungen haftet. Ich habe in diesem Bereich vor der Verklebung den trockenen Stoff immer gemäß den Vertiefungen mit der Hand vorgedehnt und dann in kleinen Etappen verklebt. Dabei musste ich ihn häufiger wieder ablösen und an verschiedenen Stellen ziehen und schieben, um Falten auszubügeln. Wenn man das erfolgreich hinter sich gebracht hat, ist alles andere nur noch reine Routine. Die Aussparungen für die Innenbeleuchtungen werden dann noch ausgeschnitten und alles um die Kanten verklebt.
Bild: Der Lohn der Arbeit
Es verbleiben der Einbau von Dachhimmel und Verkleidungsteile in das Fahrzeug. Die vordere, durch Umwelteinflüsse klebrig gewordene Abschlussleiste aus Kunststoff bricht sehr gerne und ich habe sie durch ein Profilgummi ersetzt.
Ich habe den Stundenaufwand leider nicht gezählt, da ich die ganze Arbeit in mehreren Etappen aufgeteilt habe. Es gibt sicherlich auch noch andere Möglichkeiten, den Dachhimmel aufzubereiten. Manche besorgen sich auch nur eine neue Schaumstoff-Schicht und kleben den Originalstoff darauf. Es führen eben viele Wege nach Paris.
Fazit:
Wer zwei linke Hände hat, sollte diese Arbeit einem Profi überlassen. Für den interessierten Gelegenheitsschrauber ist die Arbeit jedoch machbar, wenn auch vielleicht (wie bei mir) am Anfang mit Lehrgeld verbunden.
Viel Erfolg bei dieser „spannenden“ Arbeit
ACCM Stephan Gürtler (Apen, im Oktober 2004)
Werkzeug-/Materialliste
Bemerkungen
Die Anleitung als PDF inkl. Bilder: www.citdoks.de/Bilder/305/CX-Dachhimmel.pdf (ca. 550kb)
Kommentare
| User | Datum | Kommentar |
| Dieter | 28.11.06 |
Hallo Stephan, habe eben mit Intereese die Rep-Anleitung Dachhimmel gelesen. Habe gleiches Problem mit S2. Inzwischen alles demontiert. Dachpfosten zum Glück bestens. Grundsätzliche Frage: welcher Kleber (kann man ein Produkt bevorzugen?)für Himmel? Problem bei mir: Zustand des Pappdeckels (von Vorbesitzer mit Teerkleber verhunzt, ist also nicht mehr eben. Wir man wohl besser neu besorgen. Habe noch S1 "auf Lager". Sind S1 und S2 identisch - sieht auf dem Foto so aus? Mit Dank für Kleber-Tip im Voraus MfG Dieter
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